Festsymposium für Gerhard Bringmann


Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Bringmann

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Bringmann

Mit einem Festkolloquium feierte die Universität zusammen mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 4. November 2016 den 65. Geburtstag des Würzburger Chemieprofessors Gerhard Bringmann.

Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden des GDCh-Ortsverbandes Unterfranken, Professor Bernd Engels, würdigten Universitätspräsident Alfred Forchel, der Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie, Professor Christoph Lambert, und der geschäftsführende Vorstand des Instituts für Organische Chemie, Professor Frank Würthner, den Jubilar und seine Verdienste in Grußworten.

Es folgten wissenschaftliche Beiträge von vier ehemaligen Doktoranden von Bringmann, die in der Naturstoff- und Wirkstoffforschung arbeiten: Professor Matthias Breuning (Uni Bayreuth), Dr. Tanja Gulder und Professor Tobias Gulder (beide Technische Universität München) und Professor Dirk Menche (Universität Bonn).

Daran schloss sich ein Vortrag von Professor Mudogo über das Exzellenz-Stipendienprogramm BEBUC an. Es folgten der Festvortrag von Professor Lutz F. Tietze zum Thema "Faszinierende Naturstoffe und vieles mehr aus Würzburg und Göttingen". Tietze ist gewissermaßen ein "akademischer Bruder" von Bringmann, er hat, wie Bringmann, bei Professor Burchard Franck in Münster promoviert und dort seine Habilitation angefertigt. Die beiden kennen sich seit über 40 Jahren und haben schon zusammen geforscht. Tietze ist seit vielen Jahren Lehrstuhlinhaber in Göttingen und bekleidet derzeit eine Niedersachsenprofessur.

Werdegang von Gerhard Bringmann

Bringmann studierte Chemie und Biologie in Gießen und Münster, wo er 1978 promovierte. Nach einem Forschungsaufenthalt am Institut de Chimie des Substances Naturelles in Gif-sur-Yvette in Frankreich kehrte er nach Deutschland zurück und habilitierte sich 1984 in Münster.

Von den an ihn erteilten Rufen nach Wien und Würzburg nahm er letzteren an und ist seit 1987 Inhaber des Lehrstuhls Organische Chemie I an der Universität Würzburg. Hier fand er für sein Forschungsgebiet – die Naturstoffchemie – ideale Voraussetzungen und exzellente Kooperationsmöglichkeiten, sodass er einen zwischenzeitlich an ihn ergangenen attraktiven Ruf auf die Leitung des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie in Halle ablehnte und der Uni Würzburg treu blieb.

Seine große Leidenschaft – die Naturstoffchemie

In seiner Würzburger Zeit hat sich Bringmann mit Naturstoffen aus Meeresorganismen, Bakterien und Pilzen, vor allem aber aus tropischen Pflanzen beschäftigt. Zusammen mit seiner Gruppe spürt er neue Wirkstoffe aus der Natur auf, klärt ihre dreidimensionale Architektur auf, untersucht, wie diese zum Teil komplexen Strukturen in den lebenden Zellen entstehen, und testet ihre biologische Wirksamkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die chemische Synthese dieser Naturstoffe im Labor mit dem Ziel, ihre Wirksamkeit durch chemische Abwandlung zu verbessern. Bringmann bearbeitet verschiedene Substanzklassen, darunter neuartige Alkaloide (stickstoffhaltige Wirkstoffe) aus tropischen Pflanzen mit ausgeprägten Wirksamkeiten gegen Krebszellen oder, je nach Struktur, gegen Erreger von Infektionskrankheiten wie Malaria, Afrikanische Schlafkrankheit oder Aids. Die richtungsweisenden Arbeiten von Bringmann sind in über 700 Publikationen und Patenten dokumentiert.

Seine zweite große Leidenschaft – das Exzellenz-Stipendienprogramm BEBUC

Ein besonderes Anliegen ist ihm die Nachwuchsförderung. Bei seinen zahlreichen Reisen nach Afrika sah er, wie chancenlos viele junge Menschen dort sind, oft ohne Gelegenheit für eine akademische Karriere – obwohl diese Länder neue Hochschullehrer dringend nötig hätten. Bringmann gründete darum im Kongo zusammen mit Professor Virima Mudogo (Alumnus der Universität Würzburg und später Vize-Präsident der Uni Kinshasa) das Exzellenz-Stipendienprogramm BEBUC, gefördert v.a. von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung.

Das Programm fördert inzwischen circa 180 herausragende junge Kongolesinnen und Kongolesen aus 25 Partnereinrichtungen der Uni Würzburg bei ihrer akademischen Karriere – an 16 Universitäten, sieben Gymnasien und zwei Grundschulen. Das Besondere an dem Stipendienprogramm ist die Kombination von Exzellenz und Internationalität mit privaten Patenschaften und einem Mentoring während des gesamten Studiums, auch im Ausland, bis hin zum Erreichen der Professur im Kongo.

Jeden der Stipendiaten haben Bringmann und Mudogo persönlich geprüft, zusammen mit den anderen beiden Komiteemitgliedern Professorin Karine Ndjoko Ioset (Lubumbashi und Würzburg) und Dr. Hypolite Mavoko (Kinshasa). Damit wollen Bringmann und seine Kollegen dem Kongo eine neue Generation von exzellenten jungen Professoren geben. Bei dem Festsymposium wird Professor Mudogo darüber berichten.

Preise und Ehrungen

Bringmanns außerordentlich erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit in fast 30 Jahren Lehrstuhltätigkeit in Würzburg wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem durch den Preis für gute Lehre des Freistaats Bayern, die Adolf‐Windaus‐Medaille für Naturstoffforschung und den Paul‐J.‐Scheuer‐Preis für Marine Biotechnologie sowie, auf dem humanitären Gebiet, durch das Verdienstkreuz Erster Klasse in Gold des Kongolesischen Volkes und den Gusi‐Friedenspreis.

Ferner wurde er mit zwei Ehrenprofessuren in China und gleich vier Ehrendoktorwürden in der Demokratischen Republik Kongo geehrt. Bringmann ist außerdem Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie der Afrikanischen Akademie der Wissenschaften.

Weitere Aktivitäten: Aufbau von Netzwerken

In seiner Würzburger Zeit nahm Bringmann an zahlreichen Forschungsverbünden teil, darunter vier Sonderforschungsbereiche. Von 2003 bis 2015 war er selbst Sprecher des SFB 630 "Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten".

Zudem initiierte oder koordinierte er zahlreiche weitere Aktivitäten in der Naturstoff- und Wirkstoffforschung. So leitete er lange Jahre das Programmkomitee der Irseer Naturstofftage und initiierte regelmäßige Doktoranden-Workshops auf diesem Gebiet, die seit 1991 in ununterbrochener Folge (inzwischen über 50 Mal) stattgefunden haben. Zudem gründete Bringmann 2006 den Afrikakreis an der Uni Würzburg (heute Forum Afrikazentrum), dessen Sprecher er in den ersten Jahren war.

Engagement für die Uni Würzburg

Bringmann war zehn Jahre Mitglied des Universitätssenats, darunter zwei Jahre als Vorsitzender und zwei Jahre als stellvertretender Vorsitzender, sowie Mitglied des Universitätsrates (auch hier zwei Jahre stellvertretender Vorsitzender). Zudem war er zwei Jahre lang Prodekan und zwei Jahre Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie.

Zukünftige Pläne

Trotz des formalen Erreichens der Pensionierungsgrenze denkt Bringmann keineswegs an den Ruhestand. Im Rahmen einer Seniorprofessur will er weiterhin seiner Forschung nachgehen, Vorlesungen zur Naturstoffchemie halten, vor allem auch das Exzellenz-Stipendienprogramm BEBUC weiter ausbauen. "Ich habe diese schöne Kombination von hochrangiger Wissenschaft und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in einem so benachteiligten Land in den letzten Jahren sehr genossen und freue mich darauf, hier auch in Zukunft weitere Akzente setzen zu können", so der Jubilar.

Impressionen vom Festkolloquium

Kontakt

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Bringmann
Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg
T +49 931 31‐85323
Opens window for sending emailbringman@chemie.uni‐wuerzburg.de

Zum BEBUC-Programm und zum Förderverein Uni Kinshasa e.V.:
Opens external link in new windowwww.foerderverein‐uni‐kinshasa.de

Impressionen

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Von: J. Habel

10.11.2016, 11:09 Uhr